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Medical: erhebliche Gefahr durch deutsche Umsetzung?

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Die Angst den Arbeitsplatz zu verlieren, steht ganz oben auf der Ursachenliste für Angst im Arbeitsalltag: Untersuchungen zufolge leiden zwischen 40% und 68% der Arbeitnehmer unter dieser (Existenz) Angst. Je höher die bekleidete Position und je besser die Bezahlung, umso größer und weiter verbreitet ist die Angst in der Regel.

Zusätzlich zu der Angst vor einer „betriebsbedingten Kündigung“ plagt einen Berufspiloten die Angst vor der dauerhaften, aber auch temporären, Fluguntauglichkeit. Diese Ängste erlangen durch die neuen, deutschen Flugtauglichkeitskriterien zusätzlichen boost.

Alleine bei der Lufthansa wurden bereits über 150 Piloten aufgrund der neuen Tauglichkeitsbestimmungen für Wochen, gar Monate vom Dienst ausgesperrt. Piloten der Lufthansa können dabei aber noch vom Glück im Unglück sprechen. Diese sind durch Betriebsvereinbarungen abgesichert. Aber so gut geht es nicht allen Berufspiloten.

Auf die psychosomatischen Folgen dieser Angst möchten wir hier nicht genauer eingehen. Die praktische Reaktion auf diese Angst ist allerdings derart einleuchtend, dass wir uns eine diesbezügliche Schlussfolgerung erlauben.

Um in dem System nicht negativ aufzufallen und dadurch in die Mühlen der deutschen Bürokratie zu gelangen, stehen Beruftspilot unter einem ständigen Leistungsdruck. Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, dass ein derartiger Leistungsdruck zu ungünstigen Folgen für die Sicherheit in der Luftfahrt führen kann.

Da wird dann auch schon mal ein Dienst angetreten, obwohl das Befinden nicht optimal ist. In diesem Zusammenhang sind Luftsportler klar im Vorteil. Diese sind nicht den zwängen von Dienstzeiten unterworfen.

Eine mögliche Folge, die sich durch die Tätigkeit als Pilot mit sich abzeichnenden Krankheitssympthomen ergeben kann, ist der Ausfall im Flug. Zwar liegen uns keine genaueren Angaben über die Art der nachfolgenden Zwischenfälle vor, auffallend ist aber deren Häufung in jüngster Zeit.

Auzüge aus dem Bericht der BfU von Jan. und Feb. 2005:

  • Während des Fluges erlitt der FO eine gesundheitliche Beeinträchtigung und wurde an Bord ärztlich versorgt. Der zusätzlich anwesende FO übernahm dessen Funktion.
  • Im Reiseflug fiel der erste Offizier aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung aus. Der Flug wurde vom Kapitän und einem anderen Ersten Offizier fortgesetzt.
  • Während des Fluges fiel der Kapitän aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung aus. Der Erste Offizier erklärte Luftnotlage, übernahm die weitere Führung des Fluges und landete in Frankfurt.
  • Der Kapitän fiel im Reiseflug wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung aus. Der Erste Offizier landete das Flugzeug außerplanmäßig in Stuttgart.

Es muss aber nicht immer gleich der Verlust des Arbeitsplatzes sein. Auch der temporäre Ausschluss vom Dienst führt für viele Piloten zu erheblichen, wirtschaftlichen Nachteilen. Prof. Stüben von der Lufthansa sprach hier von 15.000,00 Euro für eine Brille durch Ausfallzeiten und Gutachterkosten.

Lange Verfahrensdauer und die damit verbundenen Kosten sind gewollt von den verantwortlichen Personen in dieses System implementiert worden. So schreibt unser ehemaliger, oberster Fliegerarzt und amtierender, oberster Fliegerarzt vom LBA in einem Artikel in dem Buch „Praktische Flugmedizin“:

"... Eine Beschleunigung der Verfahrensdauer wird diese neue Regelung wohl kaum bringen. Der Staat zeigt damit klar: Die Luftverkehrssicherheit hat Vorrang vor der eile des Bewerbers...“

Genau diese elementare Missachtung der Interessen der Luftfahrer ist es, welche die heutigen und zukünftigen Probleme bringen wird. Menschen sind keine willenlosen Maschinen. Es liegt in der Natur der Menschen drohende Probleme zu umgehen. Da bringt auch die Strafverfolgung (die ist auch Bestandteil von JAR-FCL 3 deutsch) keine Besserung.

“JAR-FCL 3 deutsch“ ist von Personen erstellt worden, die anscheinend nicht die geringste psychologische Bildung besitzen. Es muss den beteiligten Medizinern Versagen auf ganzer Linie vorgeworfen werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik dieses Problem zeitnah erkennt und entsprechend handelt.


Update:

Auf der Homepage von Dr. Rudolf Fischl ist die Problematik der Gehaltsfortzahlung von Piloten erklärt. In der, mitunter langen, Zeit der wiehernden Amtsschimmel bekommt der Pilot, selbst mit Versicherungsschutz, keinerlei Erstattung!

Krankmeldung für vorübergehend untaugliche Berufspiloten

Berufspiloten, die auf Grund der JAR-FCL 3 Vorschriften vorübergehend untauglich sind haben Anrecht auf eine Krankmeldung. Dies gilt auch z. B für die vorgeschriebene Wartezeit nach erfolgreichen Operationen. Diese Regelung kann aber nicht für die Wartezeit auf die Lizenzerteilung durch das LBA angewendet werden, wenn Piloten durch einen Gutachter wieder als flugfähig eingestuft worden sind.

Dies führt dazu, dass auch eine bestehende "Loss of Licence" Versicherung nicht bezahlt.

Wie schrieben unsere obersten Fliegerärzte aus dem LBA? : "... Eine Beschleunigung der Verfahrensdauer wird diese neue Regelung wohl kaum bringen. Der Staat zeigt damit klar: Die Luftverkehrssicherheit hat Vorrang vor der eile des Bewerbers...“

Wie spricht dazu der Volksmund?: "Der Schuss geht mit Sicherheit nach hinten los!"

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 26. Juli 2005 um 06:41 Uhr