Medicalpraxis bei Sondergutachten

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Wie uns ja mittlerweile bekannt ist, gibt es die 98 Auschlußkriterien, die sofort fluguntauglich machen. Flugtauglichkeit kann dann nur auf dem Wege eines Sondergutachtens erlangt werden. Bei Erstbewerbern fällt das in die Zuständigkeit des LBA, bei Scheininhabern sind die RP oder Luftämter zuständig.

Nach Abschluß des Verfahrens erhält der Bewerber dann sein Medical und stellt erstaunt fest, daß es auf den Tag der ersten Untersuchung rückdatiert ist. Dies gilt für RP/Luftamt und trotz anders lautender Gerüchte auch für das LBA.


Seltsamer Weise haben die meisten Medicals ohne Rücksicht auf das Alter des Bewerbers dann nur noch eine Gültigkeit von einem Jahr. In den meisten Fällen behalten sich die zuständigen AMC vor, auch über die Folge-Bescheinigungen zu entscheiden. Nur selten hat ein Bewerber das Glück, daß künftig wieder der normale Fliegerarzt zuständig ist.

Der Bewerber erhält zusammen mit dem Stück Papier natürlich Rechnungen über Gutachterkosten und Verwaltungsgebühren von mittlerweile 1.000,00 € bis zu 2.000,00 €. Er gewinnt zudem auch noch die grundlegende Erkenntnis, daß er bereits zu Beginn des Verfahrens flugtauglich war, aber laut Verordnung wegen eines fehlenden Medicals nicht fliegen durfte.

Bekannt ist auch, daß mittlerweile Wartezeiten von 8 bis 10 Monaten keine Seltenheit mehr sind. Tendenz steigend, weil es künftig noch mehr Verfahren geben wird.Jetzt muß der stolze Medical-Besitzer bereits wieder in 2 bis 4 Monaten um die Folgebescheinigung anstehen.

Bei der steigenden Anzahl von Verfahren muß es nicht verwundern, wenn es künftig auch zu Wartezeiten von 12 Monaten und mehr kommen kann.
Man stelle sich die Verwunderung eines Bewerbers vor, wenn er dann endlich nach 13 Monaten neben den Rechnungen von bis zu 2.000,00 € ein Medical in Händen hält, das vor einem Monat schon wieder seine Gültigkeit verloren hat !!!

Gehört er dann zu den wenigen Glücklichen, für die künftig wieder der normale Fliegerarzt zuständig ist, wird man ihn dort freundlich darauf hinweisen, sich künftig doch rechtzeitig vor Ablauf des Medicals um einen Untersuchungstermin zu bemühen.

Ist weiterhin das AMC zuständig, gibt der Bewerber wohl auf.

Schilda lebt in JAR-FCL 3 Deutsch.

Erich Zitzke

Fazit: sollten die Bearbeitungszeiten noch geringfügig ansteigen, wovon ausgegangen werden kann, werden wir bald auf unserem erste Opfer beklagen, welches über 1000,00 Euro für eine Tauglichkeitsbescheinigung hinblättern musste, welche zum Zeitpunkt der Aushändigung bereits abgelaufen war.
Der gleiche Unsinn auf den Straßenverkehr bezogen würde unser Land mit einem Generalstreik lahm legen!

Nachtrag:

Seit 01.02.2005 ist das AMC-Monopol aufgehoben. Gutachten können nunmehr auch durch AME Klasse 1 erstellt werden. Das wird zu geringeren Wartezeiten führen, über die künftigen Kosten kann jedoch noch keine Aussage getroffen werden.

Auch sind die KO-Kriterien noch die gleichen wie vor dem 01.02.2005.
Zuletzt aktualisiert am Freitag, 11. März 2005 um 07:38 Uhr